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Der griechische Philosoph und Naturforscher Aristoteles (384 bis 322 v. Chr.) lehrte:
Die Ganzheit steht vor den Teilen.
Diesem Grundsatz kommt in der Naturheilkunde große Bedeutung zu, während der Trend in der Schulmedizin - ebenso wie in vielen Bereichen des täglichen Lebens - sich immer noch in Richtung Spezialisierung und Aufteilung bewegt. Ganzheitstherapie basiert auf der Tatsache, daß lokale Erkrankungen sich nicht nur örtlich begrenzt auswirken, sondern den ganzen Menschen körperlich und seelisch beeinflussen. Kopfschmerzen zum Beispiel sind keine isolierte Störung im Bereich der Hirnhaute und Gefäße, sie beeinflussen das Wohlbetinden, die Leistungsfähigkeit und das Verhalten des ganzen Menschen.
Sinngemäß gilt dies auch für alle anderen Krankheiten. Immer ist der Mensch als Ganzes krank, was in lokalen Symptomen zum Ausdruck kommt. Deshalb muß auch der ganze Mensch behandelt werden, nicht nur das lokale Symptom.
Ein typisches Beispiel dafür ist das Magengeschwür. Man kann diese Krankheit zwar durch lokale Maßnahmen zur Ausheilung bringen; wenn aber nicht gleichzeitig auch die möglichen seelischen Ursachen behandelt werden, die beim Magengeschwür immer feststellbar sind, tritt das Ulcus in der Regel sehr rasch wieder auf. Das oft genannte Bakterium "helicobacter pylori", das bei der Entstehung einiger Arten von Geschwüren mitbeteiligt ist, muß ja erst einmal eine Angriffsfläche finden.
Naturheilkunde arbeitet zwar auch oft mit Teilanwendungen, zum Beispiel mit Packungen, Wickeln oder Güssen, aber nicht nur, um das lokale Krankheitsgeschehen zu beeinflussen, sondern um über einen Teil des Körpers auf den gesamten Organismus einzuwirken.
Eine Massage z.B. ist ja auch eine angenehme Behandlung und die Herausnahme aus dem Alltag (dem alltäglichen Stress) wärend der Behandlung und die Zuwendung zum Menschen tut auch ihre Wirkung.
Heilkräuter werden soweit möglich immer ganz verwendet, weil ihre Wirkstoffe optimal aufeinander abgestimmt sind. Nur in bestimmten Ausnahmefällen kann es erforderlich sein, an Stelle der ganzen Pflanze den isolierten Wirkstoff anzuwenden, zum Beispiel das giftige Atropin, das aus der Tollkirsche gewonnen wird.
Bei der Ernährung bedeutet Ganzheit, die Nahrungsmittel möglichst naturbelassen zu verwenden. Ein schönes Beispiel für die Bedeutung dieser Forderung ist die Vitamin-B1 Mangelkrankheit Beriberi, die nur in den Gegenden auftritt, in denen Reis als Hauptnahrungs mittel geschält, bzw. poliert gegessen wird. Man hat also wesentliche Stoffe des Nahrungsmittels entfernt. Somit sollte man deshalb zur Ernährung hauptsächlich Rohkost und Vollkornprodukte verwenden.
Ein völlig unsinniger Tierveruch eines Industriekostherstellers demonstrierte eindrucksvoll den Wert der Ganzheit: Wenn man Tieren ihren täglichen Bedarf an Eiweiß, Fett, Kohlenhydraten, Vitaminen und Spurenelementen in chemisch reiner Form verabreicht, gehen sie zugrunde, obwohl sie die gleiche Menge dieser Substanzen erhalten, die sie gewöhnlich mit der Nahrung aufnehmen.
Der Versuch, so "künstliche" Nahrung herzustellen, schlug somit fehl. Die "Inhaltsstoffe" alleine sind somit nicht ausschlaggebend. Es geht auch hier nur auf die natürliche Art.
Ganzheit muß schließlich auch bedeuten, konsequent in allen Lebensbreichen naturgemäß zu leben. Man kann den Mißbrauch von Genußmitteln wie Alkohol oder Nikotin nicht dadurch ausgleichen, daß man viel Rohkost zu sich nimmt. Wer alle anderen Grundsätze der Naturheilkunde für ein gesundes Leben beachtet, aber auf Nikotin nicht verzichten will, der lebt eben nicht mehr naturgemäß.
Auch ein Grundsatz der Naturheilkunde ist die schonende Behandlung. Naturheilkunde arbeitet nur mit natürlichen Heilmitteln, die bei richtiger Anwendung den Organismus nicht belasten und frei von schädlichen Nebenwirkungen sind. Chemische Substanzen, die in der Natur nicht vorkommen, lehnt die Naturheilkunde ab. Hier wie überall gilt aber der Grundsatz: Allzuviel ist ungesund.
Denn Wirkung ohne Nebenwirkung bei unsachgemäßer Anwendung gibt es nicht.
Gewöhnlich regen die Naturheilverfahren aber die Abwehrkräfte des Körpers auf natürliche Weise an und unterstützen den Organismus in der Bekämpfung der Krankheit.
Naturheilkunde: Vorteile und Grenzen
Es ist sicher unmöglich, genaue Grenzen abzustecken, nach denen die Naturheilkunde in einem Fall angezeigt ist, im andern aber nicht ausreicht; das hängt in erster Linie von der Erkrankung und vom Patienten ab. Eine harmlose Erkältung kann bei einem ansonsten Gesunden durch Heilkräuter und Schwitzkuren besser ausgeheilt werden als mit chemischen Fertigarzneimitteln.
Beim schon erblich vorbelasteten oder kränkelnden Patienten dagegen, dessen Abwehrkräfte möglicherweise nicht mehr ausreichen, können lebensgefährliche Komplikationen drohen, die nur durch chemische Arzneimittel zu verhindern sind.
Auch beim schon erwähnten Magengeschwür sind naturheilkundliche und/oder psychologische Maßnahmen oft besser als Arzneimittel; in manchen Fällen können sie aber die Operation nicht ersetzen. Fast immer wird es möglich sein, durch natürliche Heilmittel die Maßnahmen der Schulmedizin zu ergänzen und zu unterstützen. Stets muß der Fachmann, den man in Zweifelsfällen immer zuziehen soll, dem Zustand des Patienten entsprechend entscheiden, welche Therapieform angemessen ist.
Entscheidende Vorteile der Naturheilkunde gegenüber anderen Heilmitteln sind:
Richtig angewendet drohen auch bei langdauernder Anwendung keine Nebenwirkungen.
Durch Steigerung der körpereigenen Abwehrkraft und ganzheitliche Behandlung wird nicht nur die akute Krankheit ausgeheilt, sondern langfristiger Schutz vor erneuter Erkrankung erreicht.
Naturheilverfahren und Schulmedizin
Symbiose der Zukunft statt Grabenkampf
Die Zeit des "kalten Kriegs" zwischen Schulmedizin und Naturheilkunde sollte heute weitgehend überwunden sein - die meisten der bewährten Naturheilmethoden werden gelegentlich auch von einem Teil der Ärzte akzeptiert und sogar praktiziert, weil man auf die therapeutischen Erfolge einfach nicht verzichten kann und will.
Der Weermutstropfen liegt darin, das angesichts lehrer öffentlicher Kassen und Sparmaßnahmen bei den Krankenkassen nicht nur weniger alternative Methoden anerkannt, sondern auch die anerkannten unter diesen immer häufiger nicht bezahlt werden.
Sehr im argen liegt auch noch die wissenschaftliche Erforschung naturheilkundlicher Behandlungsmethoden, zum Beispiel durch Heilpflanzen, bei denen durch methodische, exakte Forschungen sicher noch manche wertvollen Wirkungen entdeckt werden könnten.
Die Gefahr liegt im Detail und in der Gier einiger Wenige
Leider auch im Regenwald stehen bereits die Grosskonzerne "mit dem Fuss in der Tür" und kaufen systematisch in der Natur gesammelte Heilpflanzen auf, um Ihre Inhaltsstoffe zu analysieren und dann wieder chemisch zu produzieren, um sie zu vermarkten. Sie forcieren dabei bereits einen Raubbau an natürlichen Recourcen und gehen wie immer den lukrativsten, aber falschen weg.
Wenn die praktische Anwendung der Naturheilverfahren in den Arztpraxen noch nicht die Regel ist, sind daran die Patienten selbst nicht ganz unschuldig. Naturheilkunde ist keine bequeme Therapieform, sie erfordert aktive Mitarbeit und Geduld. Leider wechseln manche Patienten eher den Arzt als ihre falschen Lebensgewohnheiten.
Naturheilkunde kann heute nicht mehr völligen Verzicht auf Arzneimittel oder operative
Maßnahmen bedeuten; das würde bedeuten, den Fortschritt der Medizin zu ignorieren. Naturheilverfahren sind dann sinnvoll, wenn sie ebenso sichere Heilerfolge ermöglichen wie die Methoden der Schulmedizin. Fertigarzneien und mit ihnen bestimmte schulmedizinische Therapien nehmen dem Körper aber die Arbeit der Krankheitsabwehr weitgehend ab, anstatt sie zu fördern. Sie bergen zudem das Risiko unerwünschter Nebenwirkungen.
Naturheilverfahren sind aber auch keine einfachen Hausmittel gegen kleine Unpäßlichkeiten.
Es ist vielmehr die Benutzung der von der Natur selbst entwickelten Strategien zur erhaltung eines gesunden Organismus in einer gesunden Umwelt!
Deshalb bleibt zu hoffen, daß Politiker, Mediziner, Patienten und nicht zuletzt auch die Krankenversicherer sich in berechtigten Fällen auf die Naturheilkunde besinnen, die bei gleichen therapeutischen Erfolgen nicht nur kurzfristig meist ungleich preiswerter als andere Heilmethoden ist.
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