Sonne, Luft und Wärme

Der Mensch ist wie die meisten Lebewesen auf der Erde dem Wechsel von Tag und Nacht und dem der Jahreszeiten unterworfen. Vielerlei Umweltfaktoren beeinflussen unseren Organismus, stimulieren ihn aber auch und helfen unserem Körper sich diesen Gegebenheiten möglichst optimal anzupassen. Ohne das Sonnenlicht wäre es uns z.B. nicht möglich aus einer Vorstufe, dem Ergosterin, in der Haut Vitamin D zu bilden. Die langwelligen Sonnenstrahlen wärmen uns wohltuend und fördern unser Wohlbefinden. Die kurzwelligen Strahlen hingegen können unsere Haut schädigen und Sonnenbrand oder gar Krebs erzeugen.
Ebenso fördert der Aufenthalt an der frischen Luft unsere Gesundheit, muntert uns der frische Seewind auf und stärkt unser Immunsystem (Reizklima) wogegen uns Durchzug und naßkaltes Herbstwetter Erkältungen bescheren kann.

Es kommt wie immer auf die "richtige Dosierung" an.


Sonnenbaden, aber richtig...

Sonnenlicht als Behandlungsmethode (Heliotropie) wurde im letzten Jahrhundert von dem Schweizer Fabrikanten Rikli (1823-1906) wieder eingeführt. Die Schweizer Ärzte Bernhard und Rollier bauten dieses Verfahren dann weiter aus.
Aus heutiger Sicht dienen Sonnenbäder meist dem Erlangen einer "Urlaubsbräune" und werden vielfach übertrieben und mit zu wenig Schutz gegen schädliche UV-Strahlen durchgeführt. Vor allem in Gegenden, in denen in der letzten Zeit die Menge der UV-Strahlen bedingt durch das "Ozon-Loch" zugenommen hat, sollte man sich nicht zu lange der Sonne aussetzten.

Auch dadurch bedingt und wegen der besseren Dosierbarkeit hat die Lichttherapie mit künstlichen Lichtquellen in der letzten Zeit mehr an Bedeutung gewonnen.

Natürliches Licht fördert unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden.
Natürliches Tageslicht setzt sich aus verschiedensten sichtbaren und unsichtbaren Strahlen verschiedener Wellenlänge zusammen. Den sichtbaren Bereich kennen wir aus dem Regenbogen, der durch Brechung das weiße Licht in die einzelnen Spektren zerlegt. Die darüber hinausgehenden nicht sichtbaren Bereiche sind Ultraviolett B+A und Infrarot.

Die Lichtaufnahme über das Auge dient aber nicht nur dem Sehen, sondern hat noch weitreichendere Funktionen:
Über das Auge werden die Lichtreize an die Hirnanhangdrüse, die Zirbeldrüse und an das vegetative Nervensystem weitergeleitet. Von hier erfolgt dann die Steuerung vieler Hormone und des gesamten Zellstoffwechsels.

Die verschiedenen Licht-Spektral-(Farb-)Anteile haben darüber hinaus die unterschiedlichsten Auswirkungen (siehe auch Farbtherapie).
Z.B. wird durch den UV-B-Lichtanteil der Vitamin-D-Aufbau, so wie der Kalzium-, Kohlehydrat- und Phosphor-Stoffwechsel unterstützt.
Andere Lichtspektren steuern wiederum andere Lebensfunktionen wie Stimmungslage, Blutdruck, Herz-/Kreislauf, Zucker- und Wasserhaushalt, Wachstum, Muskeltätigkeit u.v.a. mehr.
Eingesetzt wird die Lichttherapie hauptsächlich bei Haut-, Knochen- und Gelenkerkrankungen, Rachitis (Vitamin-D-Mangel), einigen Formen der Akne, Erkältungen aber vor allem auch bei Stoffwechselstörungen und Erkrankungen des vegetativen Nervensystems (Winterdepression). Dabei müssen Lichtquellen eingesetzt werden, die das volle Spektrum des natürlichen Lichtes ausstrahlen.  Beim Vollspektrumlicht sind auch UV-Lichtanteile vorhanden, wobei diese aber weit unter dem gesundheitsgefährdenden Bereich liegen.

Frische Luft tut gut

Das Freiluftbad ist eine der besten Abhärtungs- und Stärkungsmethoden der Naturheilkunde. Die Wirkung basiert auf den natürlichen Reizen die Luft, des sanften Windes und der Temperaturunterschiede. Auch die Entspannung und Bewegung hat dabei eine wichtige Bedeutung und wirkt unterstützend.
Luftbäder stärken das Immunsystem, regen die Durchblutung an, fördern den Stoffwechsel und den Hormonhaushalt. Ebenso wird das vegetative Nervensystem positiv beeinflußt.
Luftbäder führt man mit möglichst wenig Bekleidung (besser unbekleidet) an schattigen Orten, je nach Jahreszeit und Wetter in Räumen oder im Freien durch. Dabei kann man im Liegestuhl ruhen oder sich bei Spiel oder Sport bewegen. Durchzug sollte unbedingt vermieden werden. Bei einer Anwendung von 2 mal 15-30 Minuten pro Tag kann man sich langsam steigern. Ungeübte beginnen im temperierten Zimmer, öffnen nach Gewöhnung die Fenster und gehen nach weiterer Abhärtung zum Luftbad im Freien über.

Wärme wirkt auch in der Tiefe

Bei vielen leichteren Erkrankungen kann die Behandlung mit langwelligem Infrarotlicht helfen. Hierzu werden spezielle Infrarotlampen, besser noch spezielle Quarzstrahler eingesetzt. Hierbei werden bis weit unter der Oberhaut Gewebeschichten erwärmt.
Bei der Selbstbehandlung ist unbedingt auf die Angaben der Gerätehersteller zur Behandlungsdauer zu achten. Eine "Überdosierung" der Wärmestrahlung kann zu Verbrennungen auch innerhalb der Gewebeschichten oder zur Schädigung innerer Organe führen. Auch sollten nur Geräte verwendet werden, die zugelassen (TÜV-geprüft) und technisch einwandfrei sind.
Die Diathermie (Wärmebehandlung) ist ein bewährtes Verfahren zur Linderung bestimmter Schmerzen, Verkrampfungen und Gewebeentzündungen. Da manche dieser entzündlichen Prozesse aber in bestimmten Stadien nicht mit Wärme behandelt werden dürfen, sollten Sie auch in diesem Fall erst ihren Arzt abklären lassen, ob ihnen mit dieser Methode geholfen werden kann.

Auszug aus Mitgliederinfo BARMER Ersatzkasse, Natur Pur, Krämer, Roth, Rüggeberg, Echo Verlags GmbH, Köln 1999

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